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Deutschstunde in Corona-Zeiten
Von Jotam Givoli geplant, in Leipzig eingefunden,
dem Sitz der Schule, in der ich mich
An einem Morgen um 10.33 h angemeldet hatte, wäre mir die
ratterte mein Rechner und auf dem doppelte Anomalie, die darin lag,
Bildschirm erschien eine Skype- die Woche nach den zehntägigen
Botschaft folgenden Wortlauts: Osterferien an einem Montag zu
„Hallo, ihr Lieben, beginnen, vielleicht gar nicht so
heute beginnt der Unterricht normal sehr aufgefallen. Möglicherweise
um 13.00 h. Bis später. milderten sich die Unterschiede aber
Liebe Grüße, Kira (Name geändert).“ auch angesichts der vielen Israelis,
Da die deutsche Uhr ihrer israelischen die in den Supermärkten Eier an sich
Kollegin eine Stunde hinterher hinkt, rissen, als habe unser Volk das Gebot,
fand ich mich drei Stunden und Mazzot zu essen, aufgegeben und
siebenundzwanzig Minuten später feiere stattdessen die Auferstehung
für die dreistündige Deutschstunde Jesu.
vor dem Computer ein. Hätte ich Wie jeder angehende Historiker
mich für diese Lektion, wie eigentlich habe auch ich das Stadium der
Spezialisierung erreicht, die erste
Phase des mühsamen Kriechens
zum Gipfel, jenes faustischen
Geschäfts, bei dem man punktuellen
Wissenserwerb gegen allgemeine
Unwissenheit austauscht: Ich musste
eine zweite Fremdsprache erlernen.
Friedrich Engels informierte seinen
Mitstreiter Karl Marx in einem Brief
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