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Ein Service des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz
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           § 1961 Nachlasspflegschaft auf Antrag

           Das Nachlassgericht hat in den Fällen des § 1960 Abs. 1 einen Nachlasspfleger zu bestellen, wenn die Bestellung
           zum Zwecke der gerichtlichen Geltendmachung eines Anspruchs, der sich gegen den Nachlass richtet, von dem
           Berechtigten beantragt wird.

           § 1962 Zuständigkeit des Nachlassgerichts
           Für die Nachlasspflegschaft tritt an die Stelle des Familiengerichts oder Betreuungsgerichts das Nachlassgericht.

           § 1963 Unterhalt der werdenden Mutter eines Erben

           Ist zur Zeit des Erbfalls die Geburt eines Erben zu erwarten, so kann die Mutter, falls sie außerstande ist, sich
           selbst zu unterhalten, bis zur Entbindung angemessenen Unterhalt aus dem Nachlass oder, wenn noch andere
           Personen als Erben berufen sind, aus dem Erbteil des Kindes verlangen. Bei der Bemessung des Erbteils ist
           anzunehmen, dass nur ein Kind geboren wird.

           § 1964 Erbvermutung für den Fiskus durch Feststellung

           (1) Wird der Erbe nicht innerhalb einer den Umständen entsprechenden Frist ermittelt, so hat das
           Nachlassgericht festzustellen, dass ein anderer Erbe als der Fiskus nicht vorhanden ist.

           (2) Die Feststellung begründet die Vermutung, dass der Fiskus gesetzlicher Erbe sei.
           § 1965 Öffentliche Aufforderung zur Anmeldung der Erbrechte

           (1) Der Feststellung hat eine öffentliche Aufforderung zur Anmeldung der Erbrechte unter Bestimmung einer
           Anmeldungsfrist vorauszugehen; die Art der Bekanntmachung und die Dauer der Anmeldungsfrist bestimmen
           sich nach den für das Aufgebotsverfahren geltenden Vorschriften. Die Aufforderung darf unterbleiben, wenn die
           Kosten dem Bestand des Nachlasses gegenüber unverhältnismäßig groß sind.

           (2) Ein Erbrecht bleibt unberücksichtigt, wenn nicht dem Nachlassgericht binnen drei Monaten nach dem Ablauf
           der Anmeldungsfrist nachgewiesen wird, dass das Erbrecht besteht oder dass es gegen den Fiskus im Wege der
           Klage geltend gemacht ist. Ist eine öffentliche Aufforderung nicht ergangen, so beginnt die dreimonatige Frist mit
           der gerichtlichen Aufforderung, das Erbrecht oder die Erhebung der Klage nachzuweisen.

           § 1966 Rechtsstellung des Fiskus vor Feststellung

           Von dem Fiskus als gesetzlichem Erben und gegen den Fiskus als gesetzlichen Erben kann ein Recht erst
           geltend gemacht werden, nachdem von dem Nachlassgericht festgestellt worden ist, dass ein anderer Erbe nicht
           vorhanden ist.
           Titel 2
           Haftung des Erben für die Nachlassverbindlichkeiten

           Untertitel 1
           Nachlassverbindlichkeiten

           § 1967 Erbenhaftung, Nachlassverbindlichkeiten

           (1) Der Erbe haftet für die Nachlassverbindlichkeiten.
           (2) Zu den Nachlassverbindlichkeiten gehören außer den vom Erblasser herrührenden Schulden die den
           Erben als solchen treffenden Verbindlichkeiten, insbesondere die Verbindlichkeiten aus Pflichtteilsrechten,
           Vermächtnissen und Auflagen.

           § 1968 Beerdigungskosten

           Der Erbe trägt die Kosten der Beerdigung des Erblassers.
           § 1969 Dreißigster






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