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Ein Service des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz
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           Beschränkung der Haftung des Erben

           § 1975 Nachlassverwaltung; Nachlassinsolvenz

           Die Haftung des Erben für die Nachlassverbindlichkeiten beschränkt sich auf den Nachlass, wenn eine
           Nachlasspflegschaft zum Zwecke der Befriedigung der Nachlassgläubiger (Nachlassverwaltung) angeordnet oder
           das Nachlassinsolvenzverfahren eröffnet ist.
           § 1976 Wirkung auf durch Vereinigung erloschene Rechtsverhältnisse

           Ist die Nachlassverwaltung angeordnet oder das Nachlassinsolvenzverfahren eröffnet, so gelten die infolge
           des Erbfalls durch Vereinigung von Recht und Verbindlichkeit oder von Recht und Belastung erloschenen
           Rechtsverhältnisse als nicht erloschen.

           § 1977 Wirkung auf eine Aufrechnung

           (1) Hat ein Nachlassgläubiger vor der Anordnung der Nachlassverwaltung oder vor der Eröffnung des
           Nachlassinsolvenzverfahrens seine Forderung gegen eine nicht zum Nachlass gehörende Forderung des Erben
           ohne dessen Zustimmung aufgerechnet, so ist nach der Anordnung der Nachlassverwaltung oder der Eröffnung
           des Nachlassinsolvenzverfahrens die Aufrechnung als nicht erfolgt anzusehen.

           (2) Das Gleiche gilt, wenn ein Gläubiger, der nicht Nachlassgläubiger ist, die ihm gegen den Erben zustehende
           Forderung gegen eine zum Nachlass gehörende Forderung aufgerechnet hat.
           § 1978 Verantwortlichkeit des Erben für bisherige Verwaltung, Aufwendungsersatz

           (1) Ist die Nachlassverwaltung angeordnet oder das Nachlassinsolvenzverfahren eröffnet, so ist der Erbe
           den Nachlassgläubigern für die bisherige Verwaltung des Nachlasses so verantwortlich, wie wenn er von der
           Annahme der Erbschaft an die Verwaltung für sie als Beauftragter zu führen gehabt hätte. Auf die vor der
           Annahme der Erbschaft von dem Erben besorgten erbschaftlichen Geschäfte finden die Vorschriften über die
           Geschäftsführung ohne Auftrag entsprechende Anwendung.

           (2) Die den Nachlassgläubigern nach Absatz 1 zustehenden Ansprüche gelten als zum Nachlass gehörend.

           (3) Aufwendungen sind dem Erben aus dem Nachlass zu ersetzen, soweit er nach den Vorschriften über den
           Auftrag oder über die Geschäftsführung ohne Auftrag Ersatz verlangen könnte.

           § 1979 Berichtigung von Nachlassverbindlichkeiten

           Die Berichtigung einer Nachlassverbindlichkeit durch den Erben müssen die Nachlassgläubiger als für Rechnung
           des Nachlasses erfolgt gelten lassen, wenn der Erbe den Umständen nach annehmen durfte, dass der Nachlass
           zur Berichtigung aller Nachlassverbindlichkeiten ausreiche.

           § 1980 Antrag auf Eröffnung des Nachlassinsolvenzverfahrens

           (1) Hat der Erbe von der Zahlungsunfähigkeit oder der Überschuldung des Nachlasses Kenntnis erlangt, so hat
           er unverzüglich die Eröffnung des Nachlassinsolvenzverfahrens zu beantragen. Verletzt er diese Pflicht, so ist er
           den Gläubigern für den daraus entstehenden Schaden verantwortlich. Bei der Bemessung der Zulänglichkeit des
           Nachlasses bleiben die Verbindlichkeiten aus Vermächtnissen und Auflagen außer Betracht.

           (2) Der Kenntnis der Zahlungsunfähigkeit oder der Überschuldung steht die auf Fahrlässigkeit beruhende
           Unkenntnis gleich. Als Fahrlässigkeit gilt es insbesondere, wenn der Erbe das Aufgebot der Nachlassgläubiger
           nicht beantragt, obwohl er Grund hat, das Vorhandensein unbekannter Nachlassverbindlichkeiten anzunehmen;
           das Aufgebot ist nicht erforderlich, wenn die Kosten des Verfahrens dem Bestand des Nachlasses gegenüber
           unverhältnismäßig groß sind.

           § 1981 Anordnung der Nachlassverwaltung

           (1) Die Nachlassverwaltung ist von dem Nachlassgericht anzuordnen, wenn der Erbe die Anordnung beantragt.

           (2) Auf Antrag eines Nachlassgläubigers ist die Nachlassverwaltung anzuordnen, wenn Grund zu der Annahme
           besteht, dass die Befriedigung der Nachlassgläubiger aus dem Nachlass durch das Verhalten oder die
           Vermögenslage des Erben gefährdet wird. Der Antrag kann nicht mehr gestellt werden, wenn seit der Annahme
           der Erbschaft zwei Jahre verstrichen sind.


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