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Jahren, die mit ihren Familien in ‚deutschen‘  Mutter Eva und Tochter Suzanne Zeller
Gebieten an der russischen Grenze wohnten
und während des Zweiten Weltkriegs und         Spielberg-Film. Wie fügt sich das eine ins
danach nach Sibirien verschleppt wurden.       andere? Es lohnt sich, das von unserem
Das grausame Schicksal der Mutter wirkt        Kollegen Michael Dak mit großer Begabung
sich sowohl auf Beas Leben aus als auch auf    übersetzte und 2021 bei Dekel in Tel Aviv
das von Jakob, dem jüdischen Jungen, der       erschienene Buch zu lesen!
einer fremden Familie übergeben wurde.         Eva Zeller hat dieses Buch ihrer Tochter
Während sich die Freundschaft (oder ist        Susanne gewidmet, die, wie erwähnt,
es eine Liebesgeschichte?) zwischen den        ihren Vater bei seinen Besuchen im Land
beiden entwickelt, reisen sie gemeinsam        begleitete und sich dem Judentum nahe
nach Sankt Petersburg, besuchen die            fühlte. Sie hat den Konversionsprozess
Eremitage undunterhalten sich über die         vor etwa zehn Jahren abgeschlossen und
dort ausgestellten Kostbarkeiten. Fast         ist aktives Mitglied der zentralen Berliner
jedes Schaustück im Museum oder in der         Synagoge in der Oranienburgerstraße.
Stadt weist eine direkte oder indirekte        Sie verbindet ihr Judentum mit der
Verbindung zu ihrer Geschichte auf und         Erforschung historischer Personen und der
zum unerträglichen Schicksal der Mutter        Wiedererstehung Israels.
Beas und ihrer Freundin in Sibirien.           ___________
Das Buch verschmilzt seine Teile zu einem
kunstvollen Puzzle, Figuren und Ereignisse     i Mukhina I., The Forgotten History: Ethnic German
verflechten sich zu einer feinfühligen,        Women in Soviet Exile 1941 – 1955, Europe-Asia
spannenden Beschreibung des Lebens der         Studies, Vol 57 (5), 2005, pp 729-752
Juden in den Todeslagern, der Deutschen,
die in ihren Häusern blieben, und der
jungen Zwangsarbeiterinnen, die ins eisige
Sibirien verbracht wurden.
Das meisterlich geschriebene Werk enthält
literarische Anspielungen, kunsthistorische
Informationen sowie unzählige Hinweise
auf historische und aktuelle Ereignisse, wie
beispielsweise auf ein Treffen Überlebender
bei der ‚Amcha‘-Stiftung oder einen

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