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Zeller Eva Ca1965 Geschichte von Jakob erzählt, der Jude
ist, wie sich im Verlauf der Erzählung
ihn begleitete, brachte er viele christliche herausstellt. Seine Mutter hatte ihr
Gruppen ins Land. Die Familie Zeller Baby bei der Inhaberin des lokalen
richtete ihr Leben an den Heiligen Schriften Blumenladens abgegeben, bevor sie
aus; diese und die Erinnerung an die Schoa selbst in ein Todeslager transportiert
spielten bei den Israel-Aufenthalten eine wurde.
wichtige Rolle. Die Geschichten der beiden
Eva Zeller hat in ihrem Buch drei aufregende Protagonisten werden getrennt
Geschichten zu einem originellen Gewebe voneinander mit großem Feingefühl
verflochten. Im Zentrum steht Bea (Beate), erzählt. Als die beiden sich
eine nach dem Zweiten Weltkrieg geborene kennenlernen, entsteht zwischen
deutsche Lehrerin. Parallel dazu wird die ihnen eine sehr warmherzige, aber
komplizierte Beziehung. Jakob
studierte übrigens, vielleicht wegen
seiner Kindheit im Blumenladen,
Biologie und machte seinen
Doktor. Beider Leben werden nun
miteinander verknüpft. Als Beate
auf dem Dachboden ihres Hauses
das Tagebuch von Frau Hiller, einer
Freundin ihrer Mutter, findet, kommt ein
dritter Handlungsstrang hinzu. Frau Hiller
berichtet in ihrem Tagebuch vom Aufenthalt
in einem sibirischen Arbeitslager. Es ist
die grausame, weitgehend unbekannte
Geschichte deutschstämmiger Frauen, die
von den Russen zwangsweise in die Tiefen
der Sowjetunion deportiert wurden.
Wie sich herausstellt, gehörte auch
Beates Mutter zu den dreihundert- bis
vierhunderttausend deutschen Frauen
im Alter von fünfzehn bis fünfunddreißig
8 MB Yakinton . Nr. 315 . September 2022

